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YouPorn mit eSport-Team: Der Sponsoring-Deal, der schlechter kaum sein könnte, aber gerade deshalb genial ist

YouPorn mit eSport-Team: Der Sponsoring-Deal, der schlechter kaum sein könnte, aber gerade deshalb genial ist

Auf Grund des steigenden Interesses seitens internationaler Nutzer haben wir uns dazu entschieden keinen rein deutschsprachigen Blog mehr zu führen. Stattdessen werden wir fortan unter www.esports-marketing-blog.com englischsprachigen Content anbieten.

YouPorn sponsert ein eSport-Team. Diese Meldung ging am vergangenen Donnerstag und den darauffolgenden Tagen wie ein Lauffeuer im World Wide Web umher.

Das Medien-Echo war riesig, nicht zuletzt, weil man lange Zeit glaubte, dass es sich bei dem im Sommer angekündigten eSport-Engagement seitens der Streaming-Plattform für pornografische Inhalte nur um einen PR-Gag handelte. Mit der Vorstellung des „Team YP“ macht man nun Nägel mit Köpfen. Ein PR-Gag bleibt es dennoch.

YouPorn bewirbt sein Interesse am eSport via twitter

Den Grundstein für die in der vergangenen Woche veröffentlichte Meldung setzte im Sommer ein Beitrag auf dem offiziellen twitter-Account von YouPorn. Während der sehr aktive Account in der Regel im Stundentakt eindeutige, oft auch eindeutig zweideutige Posts zum Thema Sex, Pornografie und Co. veröffentlicht, richtete man sich am 10. Juli mit einer eher ungewöhnlichen Nachricht an seine Abonnenten. Die Botschaft: „Was haltet ihr davon, wenn YouPorn ein eSport-Team sponsert?“.

Die Resonanz innerhalb der eSport-Community war, wie zu erwarten, bunt gemischt und es wurde sehr emotional über das Thema diskutiert. Während sich die einen über einen weiteren eSport-Sponsor freuten, lehnten die anderen die Unterstützung eines derartigen Unternehmens ab. Da sich YouPorn jedoch, abgesehen von einer AMA-Sessionauf Reddit und einer kurzen Meldung bezüglich der zukünftigen Spielertrikots, nicht weiter zu dem Thema äußerte und die Monate ins Land zogen, glaubten viele bereits, dass es sich bei dem Thema nur um einen PR-Gag handelte.

YouPorn macht Ernst und stellt DotA2-Team vor

Allen Skeptikern zum Trotz stellte YouPorn über seinen Unternehmensblog  am vergangenen Donnerstag sein eigenes eSport-Team vor. Verpflichtet wurde das Defense of the Ancients (DotA2) Team des spanischen Clubs ‚Play2Win‘, das fortan unter dem Namen ‚Team YP‘ spielt. Brad Burns, Vizepräsident von YouPorn, kommentierte die auf sechs Monate ausgelegte Kooperation wie folgt:

„We’re so psyched to finally make our official entry into gaming and eSports. This partnership has been a long time coming, and I believe that with our backing, along with the expertise that each member of Team YP brings to the table on the virtual battlefield, we can succeed in tearing through the competition at this year’s Gamergy event.”

Team YP

Team YP: Ragabash ,LoLQoP, SolmyR, Lawliet_91, Mengue

Auch im eSport ist nicht alles Gold, was glänzt

Dass die von Brad Burns angesprochene Expertise tatsächlich vorhanden ist, ist zu bezweifeln. Weder das Team noch deren Spieler sind bis dato in der kompetitiven eSport-Szene großartig in Erscheinung getreten. Die für Sponsoren in der Regel wichtigen Faktoren wie Image oder Reichweite fallen folgerichtig weg.

Schaut man sich die Reichweitenindikatoren des Teams an, so kann der ‚Play2Win‘-Club respektive ‚Team YP‘ gerade einmal 334 twitter-Abonnenten, 52 twitch-Abonnenten,  47 Facebook-Likes und sechs YouTube-Abonnenten aufweisen. Die Webseite des Clubs, die ausschließlich in spanischer Sprache geführt wird und somit internationale Besucher kaum ansprechen dürfte, konnte bei dem Versuch einer Analyse nicht einmal genug Statistiken vorweisen, die für Untersuchung der Besucherdaten nötig wäre.

In Anbetracht dessen, dass es zahlreiche eSport Clubs gibt, die deutlich überzeugendere Kennzahlen liefern, ist zu kritisieren, dass man seitens YouPorn damit wirbt, den „lang erwarteten eSport-Sponsoring-Deal“ endlich durchgezogen zu haben. Sowohl aus sportlicher als auch marketingrelevanter Sicht ist das Team alles andere als ein guter Fang.

Team-YP-in-numbers

Marketing: YouPorn weiß, wie es geht

Außer Acht gelassen werden darf an dieser Stelle natürlich auch nicht, dass die oben genannten Indikatoren für YouPorn vielleicht gar nicht so wichtig sind. Nüchtern betrachtet, hat YouPorn hier einen Marketing-Coup gelandet und aus der sprichwörtlichen Scheiße Gold, nämlich Werbung für die eigene Plattform und Marke, gemacht.

Nahezu jede Gaming- und eSport-Webseite hat dem Thema einen oder mehrere Beiträge gewidmet, darunter beispielsweise ign.com, die mit mehr als 100 Millionen Besuchern im Monat zu den erfolgreichsten Gaming-Webseiten der Welt zählt. Hinzu kommt die Berichterstattung aus gaming-neutralen Medien, wie etwa dem Forbes Magazine, und die virale Reichweite über die sozialen Netzwerke wie facebook oder twitter. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass sich unter den 130.000 twitter-Abonnenten und den monatlich 250 Millionen Webseiten-Besuchern auch der ein oder andere Gaming-Enthusiast befindet.

Wie viele Personen in den vergangenen Monaten tatsächlich mit YouPorn auf Grund seiner eSport-Aktivitäten in Kontakt gekommen sind, kann natürlich nur spekuliert werden. Dass es sich hierbei jedoch um Reichweitenzahlen im zwei bis dreistelligen Millionenbereich handelt, dürfte realistisch sein.

eSport als Marketing-Tool instrumentalisiert

In Anbetracht dessen, dass YouPorn für diese Reichweite nur einige twitter-Beiträge, eine offizielle Bekanntgabe und ein sportlich erfolgloses DotA2 Team ohne Fans, Reputation und Reichweite für sechs Monate verpflichten musste, darf man diese Marketing-Aktion schon als Geniestreich bezeichnen.

Aus der Sicht der Spieler kann man nur hoffen, dass man sich während der Vertragsverhandlungen über diesen Umstand im Klaren war. Denn je weniger YouPorn in das Team innerhalb der kommenden sechs Monate investieren muss, desto mehr lacht sich das Marketing-Team des Pornogiganten ins Fäustchen.

Aber egal, wie man es dreht und wendet und egal wie viele weitere Diskussionspunkte die Thematik mit sich bringt. Eines steht fest: Am Ende hat YouPorn gezeigt, wie Marketing mit minimalem Einsatz zu maximalem Erfolg führen kann, wenn man die richtige Strategie fährt. Chapeau YouPorn!

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2 Kommentare

  1. Ibo Mazari

    11.12.2014 at 13:16

    Hallo Christian,

    sehr gute Analyse! Egal wie man persönlich zum Thema Pornographie stehen mag, es ist der eSport-Branche nicht zu empfehlen, sich darauf einzulassen. Daher hat hier nur YouPorn einen einseitigen Vorteil errungen. Genialer Marketingcoup!
    Hier rächt sich, dass der eSports anders als andere Sportarten nicht über Rahmenbedingungen verfügt, die den Ausschuss von bestimmten Sponsoren vorschreiben, wie es etwa bei der FIFA geregelt ist.
    Ich ahne schon den größeren Aufschrei (zumindest in Europa), wenn sich etwa eine Waffencompany engagieren sollte …

    VG
    Ibo

    Antworten

    • Christian Kresse

      Christian Kresse

      12.12.2014 at 15:11

      Hey Ibo, danke für das Feedback.

      Ich sehe das ähnlich: Ein ernstgemeintes Engagement – also nicht so ein Marketingcoup wie dieser – von YouPorn würde dem eSport schaden.

      Allerdings glaube ich auch, dass, auch wenn man sicherlich noch nicht soweit ist wie beim Fußball, bereits über genug Strukturen und Regeln verfügt, die ein derartiges Sponsoring zumindest so unattraktiv machen würden, dass es sich in dem Maße gar nicht für YouPorn oder andere Unternehmen dieser Art lohnen würde.

      In Deutschland würden die Ligenbetreiber auf Grund des Jugendschutz ein derartiges Sponsoring unterbinden; Riot Games verbietet bei all seinen Ligen das Werben für pornografische Inhalte; Blizzard hat hier auch den Ruf entsprechende Konsequenzen zu ziehen und die meisten seriösen Clubs, die über eine für ein Sponsoring interessante Reichweite verfügen, sind sich über die Konsequenzen eines solchen Sponsorings (u.a. Imageverlust für Club und ggf. andere Sponsoren) im Klaren und würden sich bewusst dagegen entscheiden.

      Das Thema ist extrem komplex und hier gibt es sicher auch ein paar Grauzonen bzw. Schlupflöcher. Insgesamt bin ich aber fest davon überzeugt, dass der eSport für derartige Situationen gerüstet ist.

      LG
      Christian

      Antworten

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